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TISAX · Prototypenschutz

TISAX Prototypenschutz: Anforderungen für Automobilzulieferer

Lesezeit etwa 6 Minuten · Stand September 2026

Roboterarme in einer Automobilfertigung als Symbolbild für TISAX in der automobilen Lieferkette

TISAX Prototypenschutz ist das Zusatzmodul im VDA ISA-Katalog, das physische und organisatorische Anforderungen an den Schutz vertraulicher Fahrzeugteile, Bauteile und Erprobungsträger bündelt. Das Modul umfasst 22 Anforderungen in 5 Kapiteln. Wer Vorserienteile bearbeitet, braucht meist ein Assessment auf dem höchsten Level AL3. Den konkreten Schutzbedarf gibt der Auftraggeber vor.

Beim Prototypenschutz zählt nicht die Firewall, sondern der Zaun, die Kamera und das Besuchermanagement.

Was ist der Prototypenschutz bei TISAX?

Prototypenschutz ist eines der Prüfmodule von TISAX neben der Informationssicherheit und dem Datenschutz. Es schützt physische Vorserienteile, Erprobungsfahrzeuge und zugehörige Informationen vor unbefugtem Zugriff, Diebstahl und ungewollter Veröffentlichung. Der Katalog stammt aus dem VDA ISA in der Version 6.0 und wird von der ENX Association im Auftrag des VDA betreut.

Der Grund für ein eigenes Modul ist einfach. Ein neues Fahrzeugmodell oder eine unveröffentlichte Komponente hat einen enormen Wert, lange bevor daraus ein Serienprodukt wird. Ein einziges Foto eines getarnten Erlkönigs kann eine Produkteinführung stören. Deshalb prüfen die Hersteller ihre Zulieferer gesondert, sobald diese physische Prototypen entwickeln, bauen, lagern, transportieren oder erproben.

Welche 5 Kapitel umfasst das Modul Prototypenschutz?

Der Prototypenschutz gliedert seine 22 Anforderungen in 5 thematische Kapitel. Sie reichen von der baulichen Sicherung eines Geländes über den Umgang mit einzelnen Bauteilen bis zu den Regeln für Erprobungsfahrten und für Film- oder Fotoaufnahmen. Die folgende Übersicht ordnet die Kapitel ihrem Schutzzweck zu.

KapitelSchwerpunkt
Physische und UmgebungssicherheitPerimeter, Zäune, Zutrittskontrolle, abgetrennte Bereiche, Alarmierung
Organisatorische AnforderungenRollen, Geheimhaltung, Sensibilisierung, Umgang mit Dienstleistern
Umgang mit Fahrzeugen, Komponenten und TeilenLagerung, Kennzeichnung, Abdeckung, Transport, Vernichtung
ErprobungsfahrzeugeTarnung, Fahrten im öffentlichen Raum, Abstellen, Übergabe
Veranstaltungen und Film- oder FotoaufnahmenPräsentationen, Messen, freigegebene Aufnahmen, Besuchersteuerung

Welches Assessment Level gilt für Prototypen?

Für die meisten Prototypen gilt das höchste Assessment Level AL3. Es verlangt ein Vor-Ort-Assessment mit Begehung und technischer Prüfung. Labels für Testfahrzeuge oder einzelne Erprobungsereignisse können in Einzelfällen auf AL2 eingestuft sein, das im Kern aus einer Plausibilitätsprüfung mit Nachweissichtung besteht. Welches Label und welches Level nötig sind, gibt der Auftraggeber vor.

Über alle Level hinweg gilt für TISAX derselbe Maßstab. Eine Anforderung gilt erst ab Reifegrad 3 als erfüllt, das heißt der Prozess ist definiert, dokumentiert und wird gelebt. Reine Absichtserklärungen genügen nicht. Die folgende Tabelle zeigt die typische Zuordnung von Label und Level.

TISAX-LabelTypisches LevelPrüftiefe
Prototype PartsAL3vor Ort, Begehung und technische Prüfung
Prototype VehiclesAL3vor Ort, Begehung und technische Prüfung
Test VehiclesAL2 bis AL3je nach Vorgabe des Auftraggebers
Prototype EventsAL2 bis AL3je nach Vorgabe des Auftraggebers

Ein TISAX-Ergebnis ist 3 Jahre gültig, danach steht ein erneutes Assessment an. Wer den Prototypenschutz einmal sauber aufgesetzt hat, hält den Reifegrad mit überschaubarem Aufwand. Ändert der Auftraggeber die Anforderung, etwa von AL2 auf AL3, kann jedoch eine neue Vor-Ort-Prüfung nötig werden. Es lohnt sich, die Kundenvorgaben früh und schriftlich zu klären.

Unsicher, welches TISAX-Label Ihr Kunde verlangt?

Wir ordnen im Strategiegespräch Ihre Kundenanforderungen ein, klären das nötige Assessment Level und zeigen, welche Nachweise der Prototypenschutz konkret verlangt.

Welche Maßnahmen verlangt der Prototypenschutz konkret?

Der Prototypenschutz setzt vor allem auf physische und organisatorische Maßnahmen, nicht auf klassische IT-Sicherheit. Im Vordergrund stehen ein wirksamer Perimeterschutz, eine strenge Zutrittskontrolle, die Sichtsperre nach außen und ein lückenloser Umgang mit den Teilen selbst. Die IT-seitigen Fragen deckt das Modul Informationssicherheit ab.

  • Perimeter und Gebäude: Zaun, gesicherte Tore, Videoüberwachung, abgetrennte und verschließbare Bereiche für Prototypen.
  • Zutritt: Berechtigungskonzept nach dem Prinzip der minimalen Rechte, protokollierte Zutritte, Begleitung von Besuchern.
  • Sichtschutz: Foto- und Handyverbot in Schutzbereichen, Abdeckung und Tarnung von Fahrzeugen, blickdichte Verpackung.
  • Umgang mit Teilen: Kennzeichnung, sichere Lagerung, dokumentierter Transport in verschlossenen Fahrzeugen, nachweisbare Vernichtung.
  • Menschen und Verträge: Geheimhaltungsvereinbarungen, Sensibilisierung der Mitarbeiter, klare Regeln für Dienstleister und Zeitpersonal.

Wer legt den Schutzbedarf für Prototypen fest?

Den Schutzbedarf legt immer der Auftraggeber fest, in der Regel der Fahrzeughersteller. Er entscheidet, ob ein Bauteil oder ein Fahrzeug als schützenswerter Prototyp gilt, welches Label gefordert ist und welches Assessment Level erreicht werden muss. Der Zulieferer setzt diese Vorgabe um und weist die Erfüllung im Assessment nach.

Für Zulieferer folgt daraus eine klare Reihenfolge. Zuerst die Anforderung des Kunden verstehen, dann den eigenen Ist-Stand gegen die 22 Anforderungen prüfen, anschließend die Lücken schließen und die Nachweise sauber dokumentieren. Genau an dieser Stelle setzt ein strukturiertes Nachweismanagement an.

Verträge geben oft den Rahmen vor. Geheimhaltungsvereinbarungen, Anforderungen an Unterauftragnehmer und die erlaubte Nutzung von Bildmaterial stehen in der Regel bereits im Liefervertrag oder in ergänzenden Sicherheitsanforderungen. Ein früher Abgleich dieser Dokumente mit dem eigenen Ist-Stand erspart später teure Nachbesserungen kurz vor dem Assessment.

Wie behalten Zulieferer die Nachweise für den Prototypenschutz im Griff?

Die Anforderungen aus dem Prototypenschutz überschneiden sich stark mit denen aus Informationssicherheit und Datenschutz. Wer alle Nachweise an einer Stelle führt, erfasst eine Maßnahme einmal und nutzt sie für jedes Modul. Genau dafür ist VANTARIS gebaut: eine Datenbasis, aus der sich TISAX, ISO 27001 und weitere Normen als Sichten ableiten.

Vor dem Assessment lohnt der Blick auf den gesamten Ablauf. Wie ein TISAX-Assessment Schritt für Schritt abläuft, steht im Ratgeber zum TISAX Ablauf. Wer parallel eine ISO 27001-Zertifizierung anstrebt, findet die Gemeinsamkeiten im Vergleich von ISO 27001 und TISAX. Grundlagen zu Label und Leveln bündelt die Übersichtsseite TISAX.

Ein Nachweis, mehrere Normen

In VANTARIS erfassen Sie eine Maßnahme einmal und nutzen sie für TISAX, ISO 27001 und weitere Standards. Die Normen-Mapping-Demo zeigt, wie das für den Prototypenschutz aussieht.

Häufige Fragen zum TISAX Prototypenschutz

Nein, das Modul greift nur, wenn der Auftraggeber es verlangt. Sobald ein Hersteller Aufträge zu Prototype Parts oder Prototype Vehicles vergibt, fordert er in der Regel ein entsprechendes Label. Ohne Prototypenbezug bleibt es beim Modul Informationssicherheit. Maßgeblich ist immer die vertragliche Vorgabe des Kunden.

Für Prototype Parts und Prototype Vehicles ist meist das höchste Level AL3 mit Vor-Ort-Prüfung gefordert. Für Testfahrzeuge oder einzelne Erprobungsereignisse kann AL2 genügen. Die verbindliche Einstufung nimmt der Auftraggeber vor. Der Zulieferer sollte sie vor der Registrierung im ENX-Portal schriftlich bestätigen lassen.

Das Modul bündelt 22 Anforderungen in 5 Kapiteln des VDA ISA in der Version 6.0. Sie reichen von der physischen Sicherung des Geländes über den Umgang mit Bauteilen bis zu Regeln für Erprobungsfahrten und Foto- oder Filmaufnahmen. Jede Anforderung muss mindestens Reifegrad 3 erreichen.

Nein. Der Prototypenschutz sichert physische Vorserienteile und Erprobungsträger, vor allem über bauliche und organisatorische Maßnahmen. Die Informationssicherheit schützt Daten und IT-Systeme. Beide Module teilen sich zwar Grundlagen wie Zutrittskontrolle und Sensibilisierung, werden im Assessment aber getrennt bewertet und getrennt beauftragt.

Der Auditor begeht das Gelände und die Schutzbereiche, prüft Zäune, Zutrittskontrolle und Videoüberwachung und lässt sich Berechtigungskonzepte, Besucherregelungen und Vernichtungsnachweise zeigen. Er gleicht die gelebte Praxis mit der Selbstauskunft ab. Papier allein genügt nicht, entscheidend ist die nachweisbare Umsetzung im Alltag.

Das hängt vom Ist-Stand der physischen Sicherheit ab, deshalb steht hier keine Fantasiezahl. Bauliche Maßnahmen wie Zäune oder Zutrittssysteme brauchen Vorlauf, organisatorische Regeln lassen sich schneller einführen. Eine ehrliche Gap-Analyse gegen die 22 Anforderungen zeigt früh, wo der größte Aufwand liegt.

  • Modul Prototypenschutz: 22 Anforderungen in 5 Kapiteln des VDA ISA 6.0, betreut von der ENX Association im Auftrag des VDA.
  • Prototype Parts und Prototype Vehicles erfordern in der Regel Assessment Level AL3 mit Vor-Ort-Prüfung.
  • Bestehensschwelle: Reifegrad 3 je Anforderung (definiert, dokumentiert, gelebt).
  • Den Schutzbedarf und das Label legt der Auftraggeber fest.
  • Quellen: ENX Association, TISAX; VDA ISA 6.0 (Verband der Automobilindustrie); Stand September 2026.
Tobias Frank - Gründer und CEO von Vantarion (Foto: Tobias Frank)

Tobias Frank

Gründer & Geschäftsführer der Vantarion GmbH. Begleitet den Mittelstand bei NIS2, ISO 27001 und TISAX, als externer Informationssicherheitsbeauftragter und mit der Compliance-Plattform VANTARIS.